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Es geht um die Wurst

Der Kulturwissenschaftler Johannes Arens hielt am 24.5. im Gartensaal des Haus Matthey einen Vortrag über die europäische Integration am Beispiel der Esskultur.

Die Wurst, also eine gewürzte, zerkleinerte Fleischmasse im Darm, ist für Johanes Arens ein gutes Beispiel vollzogener europäischer Integration. Als Inbegriff des Schlaraffenlandes und in den Hausmärchen der Gebrüder Grimm durchaus von Bedeutung, spielte die Wurst von jeher in der Kulturgeschichte eine besondere Rolle.
Einst zur vollständigen Verwertung des Schlachttieres und zur Haltbarmachung von Fleisch genutzt, hat die Wurst eine Wertewandel erfahren - heute gilt vor allem Wurst aus Schweinefleisch, Innereien oder gar Fleischresten als billiges, minderwertiges Lebensmittel. Sogar sprachlich steht die Wurst für Negatives: „armes Würstchen“, „verwursten“, „Hans Wurst“ etc.
Gerade in Deutschland neigt man dazu, Lebensmittel, Genussmittel und das Essen an sich mit negativen Konnotationen zu versehen, ganz im Gegenteil zu den europäischen Nachbarn, dort wird zumindest sprachlich das Essen höher bewertet.
Johannes Arens widmete sich vor allem der „Wurstfolklore“, d.h. den regionalen Ausprägungen. So erfahre beispielsweise die Blutwurst eine regionale Vermarktung, sei aber von nationaler Bedeutung. Die Wurst mit dem höchsten sozialen Faktor - in der früheren Hausschlachtung war das Blutrühren und Wurstmachen eine Angelegenheit der ganzen Familie, auch der Kinder - ist weltweit bekannt - unter verschiedenen Namen, mit verschiedenen Rezepten. Von Black Pudding, über Boudin noir bis zum rheinischen Panhas, Blutwurst ist international zu finden, sogar in der Karibik, wo ihr neben Gewürzen auch Rum zugefügt wird.
Die Wurst als Zeichen europäischer Integration findet sich für Arens am deutlichsten in der Lyoner. Die Fixierung einer ganzen Region auf eine Wurstsorte sei per se identitätsstiftend für das Saarland mit seiner wechselhaften Geschichte gewesen und drücke die französischen Einflüsse auf die Esskultur aus. Überhaupt: Essen und Trinken geht über nationale Grenzen hinaus und verbindet die Menschen, die ihre kulturelle Prägung beibehalten, aber veränderten Lebensumständen anpassen, wie das Beispiel der „Türkischen Curywurst aus 100% Rindfleisch“ anschaulich belegt. (bep)

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