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Gastrokritik Limeri - von echten Philosophen und falschen Griechen

Savvas Giannulidis und seine Frau betreiben seit 30 Jahren das „Limeri“ in der Ludwigsallee.

Eurokrise und Integrationsdebatte hin oder her – griechische Einwanderer in Aachen sind auch ein gastronomisches Thema. In den 1970er Jahren waren es Griechen, einfache Arbeiter und Intellektuelle, die in Aachen Restaurants und Imbissbuden eröffneten. Für einige war es ein Nebenjob während des Studiums, der dann statt Hüttenkunde zum Haupterwerb wurde, andere nutzten günstige Zutaten und einfache Gerichte der griechischen Küche, um den deutschen Hunger nach Neuem und Fremdem zu stillen.
Savvas Giannulidis betreibt mit seiner Frau Anastasia das Limeri an der Ludwisalle – seit 30 Jahren. Zunächst arbeiteten sie zusammen mit Savvas Bruder Achilles und seiner Frau Susanna im damals bekannten Hotel-Restaurant Drei Türme, bevor sie das Lokal 1981 in Limeri umbenannten. Kein alter Philosoph oder heiliger Tempel als Name für eine Frittenbude, die dann noch von falschen Griechen geführt werde. Limeri bedeutet Zufluchtsort und kommt ohne billige Plastikdekoration und Fischernetze aus. Die Einrichtung lässt an Aachen-Lütticher Barock denken, das Mittelmeer findet seinen Platz auf der Speisekarte. Klassiker wie Gyros und Souvlaki sind ebenso zu finden wie moderne, modifizierte Gerichte, in denen die Grundzutaten der griechischen Küche – Olivenöl, Lammfleisch, Tomaten, Thymian, Salbei und Oregano – Verwendung finden. „Wir Griechen sind ein wenig faul, bisweilen geizig, ich steh’ dazu“, sagt Savvas, dennoch verwehrt er sich der bequemen Convenience-Küche: „Es dauert fünf Minuten, eine feine Kräuterkruste für das Lamm zu machen, aber selbst das ist manchen schon zuviel“. Schnell entpuppt sich der erfahrene Gastronom als wahrer Philosoph. Er erzählt von den alten Restaurants, bereits 1959 gab es ein griechisches Lokal, in dem die Studenten sich für 50 Pfennig an einer traditionellen Bohnensuppe satt aßen. Und er erzählt vom griechischen Naturell, das man als ein wenig phlegmatisch bezeichnen kann. „Wer nichts wird, wird Wirt“, das gängige Vorurteil sei tatsächlich manchmal zutreffend. Auch für seine Familie. Statt des Studiums haben sich die Brüder und ihre Frauen auf das gastronomische Leben eingelassen, Achilles besuchte einen teuren Kochkurs im legendären Prinses Juliana, um die Kunst des Kalbsfonds zu erlernen. Savvas und seine Familie besuchen andere Restaurants, um Anregungen zu sammeln. Diese Aufgeschlossenheit findet ihren Niederschlag auch auf der Karte: Edelfischspießchen mit Rote-Bete-Carpaccio treffen auf Wildschweinkeule mit griechischem Süßwein. Wenn er anmerkt, dass auch das Volk der Dichter und Denker nicht mehr das sei, was es einst war, dann spricht er auch über den Scheinpatriotismus nicht nur seiner Landsleute: „Wir haben der Welt das Licht gegeben und leben selber im Dunkeln. Es gibt kein Marketing für griechische Produkte.“ Aus der globalisierten Welt der Einheitsgastronomie ragt das Limeri tatsächlich heraus: Tradition und Moderne sind hier im Einklang. Eine gesunde Basis für das Zusammenleben – in jeglicher Hinsicht!

Limeri
Ludwigsallee 25
52062 Aachen
Tel.: 0241-154927
Mi-So 18-24 Uhr, Mo+Di Ruhetag


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