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Gastrokritik „Sel & Poivre“: Linientreu am neuen Standort

Angela und Frédéric Noel eröffnen in Eynatten, gleich hinter dem Grenzübergang „Köpfchen“, das Sel & Poivre.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Restauranteröffnungen spärlich gesät. Einigen Köchen fehlt der Mut zum Sprung in die Selbstständigkeit, andere scheitern mit ihren Business-Plänen in den Kreditabteilungen der Banken. Gegen den Strom schwimmen Angela und Frédéric Noel, die Anfang Juni das „Sel & Poivre“ an der Aachener Straße in Eynatten, nur einen Steinwurf vom Grenzübergang „Köpfchen“ entfernt, eröffneten. Sie sind keine Neulinge in der Gastronomie. Frédéric Noel etablierte zunächst in der traditionsreichen Eupener Kneipe „Ratskeller” seiner Eltern eine anspruchsvolle Brasserieküche und siedelte sich später im Erdgeschoss des Ministeriumsgebäudes in der Eupener Gospertstraße an. Auf der Suche nach einer eigenen Immobilie wurde das Ehepaar nun an der Hauptstraße in Eynatten mit einem 200 Jahre alten Bauernhof fündig, der zuletzt ein Antiquitätengeschäft beherbergt hatte.
Der Koch bleibt auch am neuen Standort seiner Linie treu. Er hat zwar seine Kreationen punktuell verfeinert, doch bietet er in erster Linie eine gut bürgerliche Küche an. Neben dem frisch gehackten Filet Americain oder den Lütticher Kalbsnieren gehören die Steaks vom Blanc Bleu Belge, der Rinderrasse „Weißblauer Belgier“, zu den Klassikern.
Außer den ehemaligen Stammkunden aus dem Eupener Raum parkten wenige Tage nach der Eröffnung auch schon viele Fahrzeuge mit deutschem Kennzeichen auf dem Parkplatz.
Die Karte präsentiert sich übersichtlich. Wochentags gibt es ein dreigängiges Menü für 22,50 Euro. Dieses lässt sich bis auf einen Tagesteller (13,95 Euro) zusammenkürzen. Neben dem dreigängigen Eröffnungsmenü (33 Euro) mit diversen Wahlmöglichkeiten bietet die Karte für den À-la-carte-Gast zwei Dutzend Zubereitungen. Die Vorspeisen liegen zwischen 7,50 und 16,50 Euro, die Hauptgänge zwischen 14,50 und 24 Euro.
Mit einem Taboulé mit grauen Krevetten sowie einem Raukensalat wurden wir begrüßt. Als Vorspeise wählten wir Jakobsmuscheln mit Hummersauce. Die vier Muscheln erreichten uns perfekt gebraten. Die mit eigenem Hummerfonds gebaute Sauce ließ sich zudem hervorragend mit den selbst gebackenen Brötchen genießen. Da blieb kein Tropfen übrig.
Im Hauptgang wählten wir die Kalbsnierchen Lütticher Art, d. h. in einer Wacholderbeer- und Wacholderschnapssauce – für Liebhaber dieser Innerei eine Delikatesse. Dazu wurden drei Pomme dauphine, Broccoli, Kirschtomaten und Blumenkohl gereicht. Die Portion war ausreichend. Begeisterung entfacht im Sel & Poivre die Weinkarte. Frédéric Noel ist passionierter Weinhändler, der eine Vielzahl erlesener Tropfen mit deutlichem Schwerpunkt Frankreich anbietet – vom Einsteigerwein für 17,50 Euro bis hin zum Cheval Blanc, einem von zwei Saint-Emilions der höchsten Qualitätsstufe, für 269 Euro. Unseren Hauptgang begleitete ein vollmundiger Verschnitt (50 % Syrah/50 % Grenache) von der Domaine Rose-Dieu von der Rhône. Bei frühlingshaft bis sommerlichen Temperaturen ist die Terrasse offen. 

Text: Heinz Gensterblum

Sel & Poivre
Aachener Straße 140, Eynatten (Be)
täglich 12 bis 14 Uhr und 18 bis 21.30 Uhr
Mittwoch und Donnerstag Ruhetag

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